Dunkelblauer Anzug - ein Einkaufserlebnis

Dunkelblauer Anzug - ein Einkaufserlebnis

Ganz kurzfristig musste ein neuer dunkelblauer Anzug her. Die Veranstaltung stand lange fest. Beim Griff in den Kleiderschrank machten sich die vielen Laufkilometer in der Passform bemerkbar. Auf in die Stadt!

Ein dunkelblauer Einreiher gehört für mich zu der Grundausstattung. Zu unzähligen Anlässen tragbar, mit vielen Krawatten, Hemden und Schuhen kombinierbar, ist er für mich unverzichtbar.

In meinem früheren Berufsleben war der Anzug die tägliche Arbeitskleidung.

Heute muss ich keinen Anzug mehr tragen, ich kann frei entscheiden was ich im Büro oder bei verschiedenen Anlässen trage.

Warum ich überhaupt darüber schreibe? Das Erlebnis ärgert mich seit einiger Zeit. Vielleicht verschwindet die Erinnerung daran, wenn davon erzählt habe.

Mancher Anzug hält länger als er passt

Nach der Verabschiedung aus einem 80-Stunden-Job habe ich Zeit zum Laufen. Das tut mir gut, aber bedeutet die Trennung von vielen Anzügen im Kleiderschrank. Bisher wollte ich das nicht wahr haben, zu sehr hing ich an meinen Anzügen, aber sie mittlerweile auch an meinem Körper.

Für die Veranstaltung hatte ich mir einen dunkelblauen Anzug in den Kopf gesetzt. Nichts konnte mich davon abbringen. Vier Tage vorher wollte ich ihn ausbürsten. Als hätte ich es geahnt, zog ich ihn über und wusste, das geht nicht. Adieu, geliebter Anzug.

 

Drei Tage Zeit

Meine Heimatstadt hält mich schon lange an der kurzen Leine, wenn es um den Kauf von Herrenbekleidung geht. Bei Schuhen habe ich es vor Jahren aufgegeben. Einen dunkelblauen Anzug ohne modischen Schnickschnack muss es doch geben.

Die Marke ist mir vollkommen egal. Sie sagt nur in wenigen Fällen etwas über Qualität aus und führt oft zu einem Modediktat durch Marketingexperten. Die Steigerung davon, die trendigen Modelabels ertrage ich nur mit starker Sonnenbrille in der Nacht.

Nein danke, die Markenfilialen oder Markenfranchiser (neudeutsch: Mono Label Store) sind für mich keine Option. Ich möchte Auswahl haben, selber entscheiden und nicht für ein Label als lebende Litfaßsäule herumlaufen, was mir keiner bezahlt.

Ein Bekleidungshaus mit Filialen in vielen Städten war meine Hoffnung. Eine Etage mit Herrenkleidung, da wollte ich fündig werden.

Um 18:30 Uhr betrat ich das Haus.

 

Ladengeschäft oder Textillager

Ich war lange Zeit im stationären Handel tätig, vielleicht bin ich deswegen besonders kritisch.

Was für ein trauriger Anblick. Eine emotionslose Aneinanderreihung von Kleiderständern und Warenregalen spulte vor meinen Augen sofort ein Optimierungsprogramm zur Produktinszenierung ab. Nun war ich nicht im Textilhandel tätig, vielleicht ist es das richtige Konzept für die Flächenproduktivität, aber ich glaube es nicht.

Im Onlinehandel braucht man sich darum keine Gedanken zu machen. Ein paar Hundert Produktseiten zusätzlich im Internetshop kostet fast nichts, im Ladengeschäft einer 1a-Lage können 200 qm zusätzliche Verkaufsfläche falsch genutzt, das Aus sein. Das Haus ist nicht in meiner Verantwortung, also egal, ich bin nur Kunde. Neugierde und Kaufinteresse werden bei mir aber nicht geweckt.

Es war der reine Zeitdruck, der mich tiefer in das „Lager“ hineintrieb. Ich hatte Hoffnung, denn ein Ladengeschäft hat Verkäufer.

 

Verkäufer oder Statisten

Das Haus blieb sich treu und führte die Anreihung von Kleiderständern auf der Herrenetage fort. An den Wänden und Regeln waren einige Markenshops zu erkennen.

Ich will keine Marke kaufen, ich will einen dunkelblauen Anzug kaufen. Warum macht man es mir so schwer. Wahrscheinlich gehöre ich einer Minderheit an.

In der Ferne stand eine junge Frau neben einem Pult mit Computer untätig herum. Ich nahm Blickkontakt auf und schenkte ihr ein Lächeln, sie lächelte zurück. Und jetzt, nichts, es passierte nichts! Sie wollte anscheinend nichts verkaufen. Hier gibt es Gehalt für Anwesenheit.

Ich hätte die Dame jetzt ansprechen können, aber ich wollte mich nicht noch mehr ärgern. Mein Verlangen das Haus zu verlassen wuchs, aber nicht ohne einen dunkelblauen Anzug.

Zum Glück hatte ich genaue Vorstellungen von dem Anzug und kann beurteilen, ob er bei mir gut passt.

 

Anzug und Passform

Schnellen Schrittes ging ich von Kleiderständer zu Kleiderständer, zog dunkelblaue Anzüge heraus, nahm drei Stück in die engere Auswahl und verschwand in die Umkleidekabine. Der erste Anzug passte vom Schnitt nicht, der Zweite war in Ordnung, der Dritte viel zu eng. Nummer Zwei wird gekauft, ich will endlich raus hier.

Was macht jemand der nicht weiß, woran man die richtige Passform vom Anzug erkennt. Wahrscheinlich kauft er eine Marke, die er von Namen kennt, und läuft rum wie der Depp.

Setzen sie sich einmal zur Mittagszeit in ein Café in einer Fußgängerzone einer beliebigen größeren Stadt. Schauen sie sich die Anzugträger an und achten sie auf die Längen der Anzugärmel, die Längen der Hosen und den Sitz der Kragen – ohne Worte.

 

Zusatzkauf

Meinen dunkelblauen Anzug hatte ich. Die Beinlänge war ein Thema für meinen Änderungsschneider. Wir kennen uns von vielen Änderungen, ein echter Fachmann.

Ein paar Strümpfe, keine Socken, standen auf meiner Einkaufsliste. Herrenabteilung – Fehlanzeige. Warum, verdammt noch mal, sind in der Herrenabteilung keine Strümpfe? Also ab zur Kasse.

Überraschung, vor den Kassen zwei Regalmeter Socken und drei Strümpfe, schwarz, dunkelblau und dunkelgrau. Ich wollte ein Paar, die in sich leicht gemustert sind. Die Nachfrage bei der Dame an der Kasse ergab, dass es nur die drei Strümpfe im Haus gibt. Also keine Strümpfe.

 

Fazit

Trotz aller Unzufriedenheit habe ich einen dunkelblauen Anzug gekauft und bin mit ihm zufrieden. Er war günstig, aber ich hatte den doppelten Preis im Budget. Pech für das Geschäft.

Strümpfe bestelle ich jetzt im Internet. Pech für das Geschäft.

Ich gehe selten in die Stadt Kleidung kaufen. Eine gute Verkäuferin oder guter Verkäufer hätte mir noch eine Krawatte verkaufen können. Pech für das Geschäft

Weil ich selber aus dem Handel komme, schmerzen mich solche Erfahrungen.

Warum muss ich blaue Anzüge über die ganze Abteilung suchen? Ich weiß, die Markenhersteller zahlen für die Regalmeter. Versucht das Geld von zufriedenen Kunden zu bekommen und nicht über das Diktat der Hersteller.

Warum finde ich in der Herrenabteilung keine Strümpfe? Eine Zweitplatzierung vor den Kassen ist in Ordnung, aber ich will nicht vor den Kassen in der Schlange meine Strümpfe aussuchen müssen.

Warum verkaufen die Verkäufer nicht? – Fällt mir nichts zu ein.

Es ist zum Glück nicht überall so. Ein paar Meter weiter ging es für einen anderen Einkauf in ein großes Sporthaus. Viele Dinge, die mich vorher geärgert haben, waren dort deutlich besser. Sogar die Ansprache der Verkäufer war sehr angenehm.

 

Kostenlose Tipps für die Händler

An jedem Warenträger mit Kleidung ein Poster mit den angezogenen Kleidungsstücken. Zeitgemäßer wäre noch ein Monitor mit Video.

In den Umkleidekabinen ein paar schematische Zeichnungen mit Hinweisen für die richtige Passform eines Anzugs.

Nach Kleidungstücken sortieren und innerhalb der Kleidung gerne nach Marken.

Verkäufern die Bedeutung ihrer Berufsbezeichnung erklären.

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